06. Februar 2020

Haus und Hof (hund) – gut versichert

Welche Versicherungen benötigen Sie wirklich, um Haus und Hof zu versichern?
Und wann reicht ein Hofhund aus, um Ihr Hab und Gut zu schützen?

Zugegeben. Ein Hofhund kann Einbrecher abschrecken, aber was passiert, wenn Ihre Einbruchmeldeanlage mit Ihnen im Familienurlaub ist?

Wie Sie Ihr Haus bestmöglich versichern, und worauf Sie achten müssen, möchte ich in diesem Beitrag erläutern. Denn beim Erwerb, beim Bau oder auch beim Mieten eines Hauses oder einer Wohnung tauchen häufig Fragen auf, deren Antworten im schier undurchdringlich scheinenden „Versicherungsdschungel“ nicht immer einfach zu finden sind.
Aber lassen Sie mich von vorne beginnen.

Gut abgesichert in der Bauzeit

Am Anfang steht das Bauvorhaben, die Planung und auch die Baugrube: Bereits in dieser Phase gibt es Dinge die von Seiten des Erbauers beachtet werden sollten. Einige wenige Gesellschaften bieten, mit jedoch relativ geringen Deckungssummen und auch nur unter bestimmten Voraussetzungen, den sogenannten „Bauherren-Rechtsschutz“ an. Zielgruppe hierfür sind sowohl Erbauer als auch Käufer von neuen oder gebrauchten Immobilien, die sich bspw. vor zu spät entdeckten Baumängeln absichern möchten. So ein Rechtsstreit mit einer Baufirma oder auch dem Architekten kann den Bauherrn schnell viel Zeit und Geld kosten, und genau davor schützt diese Rechtsschutzversicherung. Dem gegenüber stehen allerdings die nicht unerheblichen Beitragskosten. Fragen Sie also vor Ihrem Vorhaben Ihren Versicherungsmakler vor Ort, ob diese Art der Absicherung für Sie in Frage kommt.

Wer anderen eine Grube gräbt…

Kommen wir nun zur Baugrube. Wer: „vorsätzlich oder fahrlässig, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet“.
Kurz gesagt: bricht sich jemand auf Ihrer Baustelle ein Bein, werden Sie zur Kasse gebeten, denn als Bauherr haften Sie in diesem Falle nach §823 BGB (Schadenersatzpflicht). Solche oder ähnliche Fälle passieren leider immer wieder und viele Bauherren wissen nicht, wer dafür aufkommt. Sorgen Sie also bereits vor Baubeginn für eine ausreichende Absicherung in Form der sogenannten Bauherrenhaftpflichtversicherung.

Häuslebauen sicher gemacht

Darüber hinaus ist während der Bauphase eine Bauleistungsversicherung empfehlenswert. Diese deckt vor allem übliche Bauschäden ab, wie z. B. Sturmschäden am Rohbau oder Rohrbruchschäden.
Strenge Richtlinien gelten allerdings beim Diebstahl von Baumaterialien. Dabei gilt es zu bedenken, dass derartige Schäden oftmals über den Bauträger mitversichert sind. Trotzdem, behalten Sie bitte auch dieses Thema im Hinterkopf und besprechen es ggfs. mit dem Bauträger.

Übrigens – beitragsrelevant sind Im Bereich Bauherrenhaftpflicht und Bauleistungsversicherung die Neubausumme, die Wohnfläche in qm, aber auch der Einschluss von besonderen Baumaßnahmen wie Pfahl-, Brunnen- oder Senkkastengründungen, Baugrundverbesserungen, Baugruben-umschließungen oder Wasserhaltung. Je Tarif sind hier bis zu 50.000 € inklusive mitversichert.

Gut zu wissen:

Wenn Ihr Bau vor dem Einzug durch einen Brand oder Blitzschlag beschädigt wird, zahlt das die Feuerrohbauversicherung. Dieses Risiko kann entweder im Bauleistungsvertrag für einen gewissen Aufpreis eingeschlossen werden oder ist kostenlos in Ihrer Wohngebäudeversicherung enthalten, wenn diese vor oder während der Bauphase abgeschlossen wird. Voraussetzung für die kostenlose Feuerrohbauversicherung ist im Regelfall, dass die Versicherung nach der Bau-Fertigstellung mindestens ein Jahr bestehen bleiben muss.

Familienhund und Kisten gepackt? Dann steht dem Einzug in das neue Heim nichts mehr im Wege.

Der Architekt hat sauber gearbeitet. Es gab keine Beanstandungen. Die Fenster wurden an der richtigen Stelle eingebaut und der der Kater vom Richtfest ist auch seit geraumer Zeit überstanden.
Doch wie geht es jetzt weiter?

Der Klassiker: Die Feuerversicherung

Der Abschluss einer Feuerversicherung ist seit etwa 1994 nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, doch viele Banken fordern den Abschluss bei einem Hausneubau oder auch bei einem Hauskauf und zwar oft dann, wenn eine Finanzierung anknüpft. Denn häufig werden Baufinanzierungen oder auch Hauskredite durch eine Grundschuld an der Immobile abgesichert. Die Gebäudeversicherung dient dann zum Schutz des Gebäudewertes als Sicherheit für die finanzierende Bank. Darüber hinaus beugen Banken dadurch auch dem Risiko eines Zahlungsausfalles Ihres Kreditnehmers vor, wenn bei einem Schaden hohe Reparaturkosten auf den Häuslebauer zukommen. Man spricht hierbei von der indirekten Versicherungspflicht.

Als Käufer einer Bestandsimmobilie erwerben Sie zumeist die (hoffentlich) bestehende Feuerversicherung des Vorbesitzers mit, eventuell sogar eine vollumfängliche Wohngebäudeversicherung. Der Vertrag geht somit automatisch auf Sie über. Sollte der Vertrag Ihren Anforderungen entsprechen, können Sie die Police einfach weiterführen. Übrigens: Als „Übernehmer“ können Sie  innerhalb eines Monats außerordentlich kündigen, wenn Sie mit dem bestehenden Schutz nicht zufrieden sind.

Unverzichtbar: Die Wohngebäudeversicherung

Hat Ihr Gebäude keine Wohngebäudeversicherung – also haben Sie diese nicht „miterworben“ oder bereits in der Bauphase abgeschlossen – benötigen Sie nun mit der Schlüsselübergabe und der ersten Nacht in Ihrer neuen Immobilie die Wohngebäudeversicherung mit den Bausteinen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, sowie mittlerweile auch Elementarschäden. Gleichwohl es in unseren Breitengraden eher selten zu Erdbeben oder auch Lawinen (es sei denn sie wohnen in den bayerischen Alpen und/oder sehen die Zugspitze von Ihrem Fenster aus) kommt, sind Überschwemmungen durch Witterungsniederschläge oder auch durch die Ausuferung von oberirdischen Gewässern zunehmend und werden wohl auch in Zukunft Versicherern hohe Schadenzahlungen abverlangen. Wohnen Sie also in der Nähe eines Gewässers wird der Abschluss für Sie zum Pflichtprogramm.

Über die Berechnung des Wertes Ihrer Immobilie im Sinne der Versicherung ließe sich ein ganzes Buch füllen – aber das würde den Rahmen sprengen. Haben Sie schon einmal vom „Wert 1914 in Mark“ gehört und wissen wie sich dieser berechnet? Nein? In diesem Fall macht es Sinn, sich mit dem Fachmann oder der Fachfrau Ihrer Wahl zusammenzusetzen und einen Wertermittlungsbogen auszufüllen.

Wenn Sie nun noch an Ihre hochwertigeren Bauausführungen wie Natursteinböden, Ihre Photovoltaikanlage und Ihre Zu- und Ableitungsrohe auf Ihrem Versicherungsgrundstück denken, haben Sie in Ihrer Gebäudeversicherung hoffentlich alle Eventualitäten berücksichtigt. Sollten Sie darüber hinaus gerne einmal den offenen Kamin brennen lassen um sich im Nachbarort eine Pizza zu holen, sollte Ihr Versicherungsvertrag unbedingt Schäden durch grobe Fahrlässigkeit abdecken.

Zu guter Letzt darf eine Glasversicherung, die den einfachen Glasbruch an Türen, Fenstern und auch der Einrichtung abdeckt, nicht fehlen. Die Außenverglasung ist beim Einschluss immer mitversichert – die Innenverglasung jedoch nur bei Einfamilienhäusern.

Herzlichen Glückwünsch – Ihr Haus ist nun versichert!


Der Sommer ist vorbei, der Grill ist in der Garage verstaut, Ihr Hofhund schläft mittlerweile vor dem offenen Kamin und Ihr Auto ist bereits auf Winterreifen umgesattelt. Wenn Ihr Nachbar nicht schon im Herbst auf Laub aus Ihrem Garten ausgerutscht ist kann es also passieren, dass selbiger auf gefrorenem Boden ausrutscht, sich dabei einen Arm bricht und Sie dafür verantwortlich macht. Und ein „Sorry, ich habe vergessen zu Streuen.“ reicht an dieser Stelle leider nicht aus. Hierzu dient wieder – und dem aufmerksamen Leser kommt hier auch sicher wieder Paragraph 823 BGB in den Sinn – eine Haftpflichtversicherung, nämlich die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Diese springt auch ein, wenn eine Dachlawine oder ein Ziegelstein ein Fahrzeug auf Ihrem Grundstück oder auch auf dem Grundstück Ihrer vermieteten Immobilie beschädigt. Oftmals sind diese Risiken in der Privaten Haftpflichtversicherung für ein selbstbewohntes Eigenheim beitragsfrei mitversichert. Apropos: Als Vermieter sollte die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung eine Pflichtversicherung sein!

Versicherungsschutz im Mietverhältnis

Und wo wir gerade beim Thema Mietverhältnisse sind: Beide Parteien können sich mit einer Rechtsschutzversicherung für den Streitfall absichern. Einbehaltene Kautionen, Wohnungen, die wie ein Schlachtfeld hinterlassen werden, Mietnomaden – nur einige von unzähligen Beispielen. Als Vermieter sollten Sie sich also zusätzlich über die relativ teure Vermieterrechtsschutzversicherung und vielleicht sogar über die Mietnomaden-Versicherung informieren; als Mieter sollten Sie über den Abschluss des Bausteins „Wohnungs- und Grundstücksrechtschutz“ in Ihrer Rechtsschutzversicherung nachdenken. Dieser deckt z.B. auch Schäden ab, die durch Streitereien mit Nachbarn entstanden sind (Der Hofhund bellt nächtelang durch, wenn er nicht gerade vor dem Kamin schläft) oder hilft wenn es um Schimmel im Badezimmer geht.

Was bleibt noch übrig? Richtig – Ihr Hausrat muss versichert werden.

„Wie versichere ich die Handtaschensammlung meiner Frau“?

„Wie muss eine Tür gesichert sein und was muss ich bei einem Einbruch beachten“?

„Nach dem letzten Gewitter waren alle elektronischen Geräte kaputt!
Wer ersetzt mir nun den Schaden und in welcher Höhe?“

Das sind nur drei der Fragen, auf die die richtige Hausratversicherung eine gute Antwort geben sollte. Aber das ist ein neues Kapitel.

Abschließend sei noch gesagt: Bitte achten Sie beim Abschluss der Verträge insbesondere auf das liebe Kleingedruckte und stellen Sie dem Versicherungsfachmann(-frau) Ihres Vertrauens stets alle Fragen, die Ihnen durch den Kopf geistern. Zuhause ist schließlich da, wo nicht nur der Schlüssel passt, sondern das Herz (und der Hofhund) sich wohlfühlen. Zuhause fängt mit einer anständigen Versicherung an.

Ihr Michael Kolberg

Kontakt und weitere Informationen zu Michael Kolberg:

www.versicherungsmakler-kolberg.de/

michael.kolberg@securess.de

[Ein Artikel aus unserem Hauspost-Archiv. Dieser Artikel erschien erstmals 2018 in Hauspost Nr. 5]

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