28. Januar 2020

Ein Club für Gentlemen

Das Barber House in Dachau-Etzenhausen ist nicht nur ein Herren-Friseur. Betreiber Aaron Werthmann pflegt Handwerk, Lifestyle und das besondere Flair. Ein Besuch.

Donnerstagabend, 20 Uhr. Draußen ist es dunkel und kalt. Es nieselt. Während in Dachau die meisten Geschäfte bereits geschlossen haben oder gerade alles verriegeln, brennt im Haus an der Von-Herterich-Straße 2a noch Licht. Dort ist noch lange nicht Schluss, es kommen nach wie vor Kunden ins Barber House in Etzenhausen. Nicht nur, um sich Haare oder Bart schneiden zu lassen. Auch um einzutauchen in die Welt von Betreiber Aaron Werthmann. Dass er diesen Job ergreifen würde, war schon in Kinderjahren so sicher wie das Amen in den Kirche. „Das hier ist mein Leben, das ist nicht nur ein Geschäft oder ein Laden, das bin ich – und zwar mit Leib und Seele.“ Seine Augen leuchten. Man kann getrost behaupten: Aaron Werthmann ist ein besonderer Dachauer Friseur – vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen. Ein Artist in Sachen Scheitel und Stoppel, mit einer Liebe zu dem Handwerk, das ihm mehr oder weniger in die Wiege gelegt wurde.

Wo sollten sich Herren beim Haareschneiden wohler fühlen?

Aus den Boxen schmettert Elvis „….falling in Love with you….“, es riecht nach einem Mix aus Rasiercreme und Parfum von American Crew, im Empfangsbereich blickt James Dean von der Wand und wer möchte, bekommt kühles Bier vom Tegernsee, Whiskey oder Espresso Corretto. Dass es mit Aaron Werthmann einmal so kommen würde, war von vornherein klar. Seine Mama Petra hat das Geschäft rund 30 Jahre lang betrieben, ehe sie an der Freisinger Straße mit Mann Jascha das Haus Steinberger Friseure eröffnete. Filius Aaron hat vor einem halben Jahr das „alte“, aber schmucke Haus übernommen.

Ein Gebäude für Charakterköpfe – egal ob unter oder hinter der Schere.

„Hier kann ich mich verwirklichen.“ Schon als kleines Kind waren die Weichen gestellt: „Ich bin halt immer bei meinen Eltern im Laden herumgelaufen und habe alles mitbekommen.“ Nie habe er etwas anderes machen wollen. Nur logisch, dass die klassische Ausbildung mit Gesellen- und Meisterprüfung in späteren Jahren folgte. In Augsburg hat er seine Prüfungen absolviert und ist ein kleines bisschen stolz darauf: „Die Schule dort hat einen guten Ruf. Die Leute sagen, wenn du das in Augsburg gemacht hast, dann hast du es gescheit gemacht.“ Halbe Sachen gibt es nicht. Der junge Geschäftsführer ist mehr als ein Friseur, er ist Haar-Künstler. Die Gäste schätzen das.

„Du musst das leben, sonst wird das nix.“

Barber House – das ist Englisch und klingt natürlich weitaus charmanter und Marketing kompatibler als Friseursalon. Das Erdgeschoss in der Von-Herterich-Straße in Dachau wurde umgestylt. Neue Farben, neue Möbel, neues Licht, neue Accessoires. Überhaupt sind es die vielen Kleinigkeiten, die die Räume mit – um im Englischen zu bleiben – feelgood-mood for men erfüllen. „Um die kleinen Dinge kümmert sich meistens meine Mama, die hat einfach ein Händchen dafür“, erzählt der Hausherr mit Undercut, Schnauzbart und Lederkittel. Das Schöne: Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. Langweilig wird es den Menschen, die das Haus mit Leben füllen, so oder so nie.

Das Besondere, das Familiäre und das Männliche dominieren.

Hier auf den Stühlen vor den Mahagoni-Schränken im Kolonialstil oder auf den schweren Ledersesseln nehmen keine Damen Platz, die Dauerwelle oder Steckfrisur brauchen. Zu Aaron Werthmann kommt der Herr, dem Aussehen und Image etwas bedeuten. Klar gebe es die Kunden, die in der Mittagspause schnell beackert werden müssten. Genauso wie die, die auch gerne mal einen Ratsch pflegen, während der Bader aus Bayern die Millimeterarbeit hinterm Öhrchen leistet. Willkommen ist hier jedermann, ob alt oder jung, ob groß oder klein, ob Hipster oder Versicherungskaufmann.

Ein Beruf mit edler Geschichte.

Woher kommt der Name Barber eigentlich? Klar, Barba – das ist auf Lateinisch der Bart. Aber der Barbier (französisch) oder Barbiere (italienisch) war in früheren Zeiten nicht nur ein simpler Handwerksberuf. Ein Barber oder Bader kümmerte sich im Mittelalter natürlich überwiegend um die Haare des Mannes, war allerdings auch bewandert in Wundheilung, Zahnmedizin oder Blutabnehmen. Ganz so weit geht es im Barber House auch wieder nicht. Hier steht die Körperpflege des Mannes im Vordergrund – und dabei die Haare. In diesem Metier scheint Aaron Werthmann ein Meister zu sein; sein Terminkalender ist pickepackevoll. „Zu uns kommen auch immer mehr Münchner, weil sie die entspannte Atmosphäre und unseren Stil mögen.“

Die beste Werbung? Empfehlungen.

Während unseres Besuchs bringt der Junior seinen Papa mit, der sich beim Barber an diesem Abend eine Art haariges Facelifting gönnt. Mit dem Ergebnis ist der Gast zufrieden und freut sich: „Da kann ich mir jetzt gleich eine jüngere Freundin suchen.“ Spaß muss sein im Barber House. Freude am Job, die Liebe zum Detail und die Kunst, das Konzept zu leben. Irgendwann haben auch Aaron Werthmann und sein Team Feierabend. Ein langer Donnerstag geht zu Ende.

Öffnungszeiten, Fotos und viele weitere Informationen gibt es hier.

[Dieser Artikel erschien erstmals 2018 in Hauspost Nr. 3]

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