20. Februar 2020

Ehrenamt mit Blaulicht und Sirene

Sie retten Leben, löschen Brände oder helfen bei Unfällen.

Ohne die vielen freiwilligen Helfer, die ihre Freizeit unentgeltlich opfern, könnten Rettungsdienst, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk nicht existieren.

Dass Sven Langer zum freiwilligen Helfer geworden ist, ist so freiwillig gar nicht gewesen  – am Anfang zumindest. Mit 19 Jahren sollte er eigentlich zur Bundeswehr, der Wehrdienst war damals noch Pflicht. Richtig begeistern konnte er sich für den Dienst an der Waffe nicht, außerdem hatte er wenig Lust, für viele Monate in seinem Beruf auszusetzen. Also verpflichtete er sich für zehn Jahre beim Technischen Hilfswerk Dachau (THW)  zum sogenannten Wehrersatzdienst. Zehn Jahre sollte er dort ehrenamtlich mithelfen, die wurden später offiziell auf sechs Jahre verkürzt und dann ganz ausgesetzt. Langer blieb trotzdem. „Das  Lustige war damals, dass ich mit dem Gedanken zum THW gegangen bin, die Bundeswehr zu umgehen, jedoch nach zwei bis drei Monaten war mir klar, dass das völlig zweitrangig ist: Die Grundidee des Helfens, sich zu engagieren und die Kameradschaft standen nach kurzer Zeit im Fokus“, sagt er heute, ziemlich genau 20 Jahre später.

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag sind die ehrenamtlichen Helfer im Einsatz.

Sie werden immer dann gerufen, wenn etwas passiert ist. Wenn Menschen bei Unfällen in ihren Fahrzeugen eingeklemmt sind. Stürme Bäume umgeworfen haben. Flüsse über ihre Ufer treten und Sandsäcke zum Schutz der Häuser befüllt werden müssen. Wenn nach einem Wasserrohrbruch der Strom in einem Gebäude ausfällt.

Das Technische Hilfswerk ist die Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes – und sie wird fast ausschließlich von Freiwilligen getragen. Gut 80 000 Helfer engagieren sich deutschlandweit , ohne dass sie dafür bezahlt werden. In der Stadt Dachau sind es 100, sie absolvieren rund 100 Einsätze im Jahr.

Nicht nur beim THW tragen Ehrenamtliche dazu bei, dass die knapp 153 000 Menschen im Landkreis Dachau in Notfällen und Katastrophenlagen nicht auf sich gestellt sind, sondern Hilfe erhalten. Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) ginge ohne die Helfer, die viele Stunden ihrer Freizeit opfern, kaum etwas.

Sie übernehmen eine große Verantwortung für ihre Mitmenschen

Sie schieben Nachtschichten, rücken während ihrer Arbeitszeit aus oder nehmen Urlaub, um die Sicherheit etwa auf dem Dachauer Volksfest zu gewährleisten.

So viel Engagement kommt auch bei der Politik an. Wer auf dem Land eine Karriere in der Kommunalpolitik machen will, ist besser auch Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, wenn auch nur passiv. Der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath (CSU) ist Vorsitzender des BRK-Kreisverbands. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lud Sven Langer und 600 andere Helfer unlängst zu einem Empfang in den Max-Joseph-Saal und sein Kabinettskollege, Minister Georg Eisenreich aus München-Hadern, übernahm die Schirmherrschaft für die gut 43 000 Menschen, die sich bayernweit in die Bereitschaftsdienste des BRK einbringen. „In Bayern ist fast jeder Zweite über 14 Jahren in einem Verein, einer Kirche oder einer sozialen Einrichtung aktiv. Diese Menschen bilden das Rückgrat unserer Zivilgesellschaft und machen unsere Heimat so lebenswert wie sie ist“, sagt Eisenreich.

Das Ehrenamt mit Blaulicht und Sirene unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen Ehrenämtern.  Im Gegensatz zu anderen Hobbys verpflichten sich die Helfer von BRK, THW und Freiwilliger Feuerwehr zu mehr: Sie müssen regelmäßig an Schulungen teilnehmen, sie sind in Dienstpläne eingebunden und können nicht einfach absagen, wenn sie gerade keine Lust haben. Oftmals fahren sie nachts zu Einsätzen raus und gehen tagsüber dann wieder ihrem normalen Beruf nach. Das ist anstrengend und erfüllend zugleich, wie viele Aktive stets betonen.

Mitmachen kann grundsätzlich jeder, der das nötige Interesse und die Zuverlässigkeit mitbringt.

Im THW etwa engagieren sich Techniker ebenso wie Handwerker, Banker, Ärzte, Hausfrauen oder ITler. Für jeden werde eine passende Tätigkeit gefunden. Gewisse Voraussetzungen aber gibt es doch: Wer aber zum Beispiel bei der Feuerwehr Brände löschen will, sollte körperlich fit sein. Und wer zur Wasserwacht will, sollte schwimmen können.

Die Hilfsorganisationen und ihre Ehrenamtlichen haben eine lange Tradition. Die jüngste unter ihnen ist das THW. 1919 bereits wurde der Vorgänger gegründet, die Technische Nothilfe, die 1945 von den Alliierten aufgelöst wurde. 1950 dann wollte der damalige Innenminister Gustav Heinemann eine Art zivilen Ordnungsdienst einführen, dessen vorrangige Aufgabe es anfangs sein sollte, die im Nachkriegsdeutschland häufig stattfindenden Streiks zu bekämpfen – was der neuen Organisation in ihren Anfangsjahren keinen allzu guten Ruf einbrachte. Neben  Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretungen hatte sich das THW aber auch um den nicht-militärischen Schutz der Zivilbevölkerung vor Kriegseinwirkungen und deren Beseitigung zu kümmern und etablierte sich schnell.

In Dachau gibt es das Technische Hilfswerk seit dem Jahr 1966, 1970 wurde die Ortsgruppe zum 96. Ortsverband des THW in Deutschland. Mittlerweile gibt es 668 solcher Untergliederungen in der Bundesrepublik.

Gleichzeitig mit der Zunahme der Mitglieder stieg auch die Zahl der Aufgaben.

Anfangs übernahm das THW Dachau die „technische Hilfeleistung auf Verkehrswegen“ im Landkreis, mehrere Einsätze in der Woche waren keine Seltenheit. Später ging diese Aufgabe dann an die Freiwillige Feuerwehr über. Im Alarmplan des Landkreises spielen die THWler aber noch immer eine wichtige Rolle.

„Im Grunde macht alles Spaß“, sagt Sven Langer. Klar, habe man ab und zu einen Durchhänger wie im normalen Leben eben auch. „Aber eine Aktion oder ein Treffen im THW kann das sofort wieder drehen“, erklärt er. Denn es sei die Kameradschaft, die im Mittelpunkt stehe. Die einen immer wieder motiviere und die einem auch über die teilweise belastenden Einsätze hinweghelfen würden. Nie vergessen werde er beispielweise den Hochwassereinsatz 2002. Zwei Wochen lang halfen die THWler aus Dachau in Dresden und Umgebung mit. Und selten haben sie so viel Dankbarkeit aus der Bevölkerung erfahren.

„Abends oder mitten in der Nacht kamen die Menschen und haben uns Essen, Kuchen, Kaffee oder auch Red Bull gebracht. Darüber sprechen wir heute noch“, berichtet Langer. Auch davon, dass die Ehrenamtlichen auf Feldbetten auf dem Bürgersteig vor der sächsischen Staatskanzlei schliefen und eine Polizistin sie mitten in der Nacht zugedeckt habe, damit sie nicht frieren.

„Das wird ein Leben lang ein Ereignis bleiben“, sagt Langer. Natürlich bleibe einem auch der erste Tote im Gedächtnis, aber das gehöre eben dazu, wenn man sich im Katastrophenschutz engagiere.

Nervenaufreibende Einsätze kennt man auch bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Deren Geschichte reicht teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die bayerische Staatsregierung in einem Erlass festsetzte, dass sich von jedem Anwesen ein Mann zur Brandbekämpfung zur Verfügung stellen musste. Alleine in der Stadt Dachau schieben heute 170 Männer und Frauen freiwillig Dienst. In Hebertshausen gibt es etwa 80 Aktive und Jugendliche, in Markt Indersdorf sind es knapp 90 und in Altomünster 75.

Ihre Einsatzbilanz liest sich beeindruckend: In Karlsfeld etwa waren von den 208 Einsätzen im Jahr 2017 (2016: 156 Einsätze) 51 Brandeinsätze, 100 technische Hilfeleistungen und 26 Sicherheitswachen. 31 Mal gab es „Fehlalarm“, in den meisten Fällen lösten Brandmeldeanlagen aus, ohne dass die Feuerwehr tatsächlich eingreifen musste.  Mit allen Einsätzen, Übungen. Leistungsprüfungen, Verwaltungsaufgaben und Vorbereitungen komme die Freiwillige Feuerwehr Karlsfeld auf weit über 4200 Stunden ehrenamtlichen Dienst, sagte Kommandant Michael Peschke, als er die Zahlen vorstellte. Die Freiwillige Feuerwehr Dachau, vor 150 Jahren gegründet, brachte es 2017 sogar auf 506 Einsätze (2016: 400), auch in der großen Kreisstadt machen den Großteil technische Hilfeleistungen (fast 60 Prozent) und Fehlalarme (18 Prozent) aus. Tatsächlich gebrannt hat es aber immerhin in 78 Fällen.

Mit dem Bevölkerungsanstieg nimmt auch die Zahl der Einsätze zu.

Die Zahl der Fälle nimmt zu. Das liegt allerdings weniger daran, dass das Leben allgemein gefährlicher wird, sondern vielmehr daran, dass in München und dem Umland die Bevölkerung stetig wächst. Alleine von 2011 bis 2017 wuchs der Landkreis um etwa 12 000 Einwohner, also etwa um zehn Prozent. Mit mehr Menschen gibt es auch mehr Autos und damit mehr Unfälle. Und in mehr Wohnungen brennt es auch häufiger. Die ehrenamtlichen Organisationen stellt das vor ein großes Problem: Sie müssen mehr Nachwuchs generieren und das in einer Zeit, die eher vom persönlichen Individualismus gekennzeichnet ist. Die Menschen sind viel stärker eingespannt. Das fängt schon in der Schule an:  Während früher der Großteil der Schüler mittags nach Hause kam, geht der Unterricht heute bis in den Nachmittag hinein. Und danach kommen noch die Hausaufgaben. Viel Zeit für Hobbys, etwa dem Engagement in der Jugendfeuerwehr bleibt nicht.

Die meisten Arbeitgeber unterstützen das ehrenamtliche Engagement.

Sven Langer vom THW etwa berichtet, dass er acht bis zehn Stunden in der Woche für sein Ehrenamt aufwendet. Er kümmert sich dann noch zusätzlich um die Pressearbeit, Social Media, um Organisatorisches und arbeitet im Vereinsvorstand mit. „Natürlich ist Vieles vom Arbeitgeber abhängig: Nicht jeder sieht es gerne, wenn der Piepser geht, obwohl er ihn rein rechtlich gehen lassen muss“, sagt Langer. Arbeitgeber, die wirklich etwas dagegen hätten, seien aber dem THW Dachau noch nicht untergekommen. „Hier gab es glücklicherweise noch nie Probleme“, sagt Langer. Die meisten Arbeitgeber schätzen vielmehr, dass ihre Angestellten sich engagierten.

Das Repertoire der BRK-Ehrenamtlichen: von Pflaster bis Reanimation sitzt jeder Handgriff.

Auch Dieter Ebermann muss seine ehrenamtliche Tätigkeit bei Bayerischen Roten Kreuz in Dachau immer wieder unter einen Hut bekommen mit seinem Job und seiner Familie. Und trotz aller zeitlichen Engpässe ist er auch mehr als drei Jahrzehnten immer noch gerne mit dabei. „Früher hat man noch drei Tage hintereinander Dienst machen können“, sagt Ebermann. So fit sei er heute nicht mehr. Aufgaben hat er dennoch genügend. Als stellvertretender Bereitschaftsleiter hilft er, die gut 1000 Ehrenamtlichen im BRK zu koordinieren. Egal ob beim Dachauer Volksfest, einem größeren Fußballspiel, der Halloween-Party des ASV Dachau oder einer Musikveranstaltung: Wenn das Ordnungsamt festgelegt hat, dass ein Sanitätsdienst vorgehalten werden muss, stehen die BRKler bereit.

Sie übernehmen Krankentransporte und sie helfen in Notfällen: In Dachau stehen immer zwei Rettungswagen bereit und ein Notarzt, in Markt Indersdorf ein Rettungswagen und ein Notarzt und in Odelzhausen ein Rettungswagen. Seit diesem März hat das BRK in Dachau ein neues Projekt gestartet: Helfer vor Ort heißt es, und es kommt dann zum Tragen, wenn die Rettungswagen alle im Einsatz sind. Vorher müssten in solchen Fällen Rettungsteams aus München, Fürstenfeldbruck, Freising oder Erding angefordert werden. „Und das dauert“, sagt Ebermann.

Wo Hilfe gebraucht wird sind Ehrenamtliche zur Stelle.

Um keine wertvolle Zeit zu verlieren, schiebt nun auch im Dachauer Stadtgebiet immer ein Ehrenamtlicher Wache. Ein ähnliches Angebot, den First Responder, unterhält das THW seit 2004 in Bergkirchen. Vor der Tür wartet ein Dienstfahrzeug, mit dem der Diensthabende im Notfall schnell vor Ort sein kann. Er fährt voraus und leistet Erste Hilfe, bis der Krankenwagen kommt. 134 solcher Einsätze habe es in den vergangenen siebeneinhalb Monaten schon gegeben, sagt Ebermann.  Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen: „Das ist eine große Wertschätzung für uns alle“, sagt der stellvertretende Bereitschaftsleiter.

Besonders viel zu tun gibt es für die Helfer natürlich während der Volksfestzeit. Von zwölf Uhr an ist die Sanitätswache besetzt, pro Schicht arbeiten dort zehn bis zwölf Ehrenamtliche. Manche nehmen sich sogar extra Urlaub für diesen Einsatz, wie Ebermann berichtet. „Wir können am Volksfest gleichzeitig bis zu fünf Schwerverletzte und bis zu 50 Leicht- bis Mittelschwerverletzte versorgen“, erklärt er. Das BRK kümmere sich in den zehn Tagen um 300 bis 400 Patienten: „Vom Pflaster bis zum Herzinfarkt ist da alles dabei. Zum Glück haben wir aber mehr Pflaster als Herzinfarkte.“

Von der Sanitätskolonie zum Wohlfahrtsverband

1863 gegründet hat das Rote Kreuz mittlerweile 3,5 Millionen Mitglieder in 189 Ländern. Der Dachauer Kreisverband wurde vor knapp 130 Jahren ins Leben gerufen. Der Anlass allerdings war ein trauriger. In Röhrmoos gab es ein schweres Eisenbahnunglück auf der Strecke München – Ingolstadt, die Retter aus München aber brauchten eine gefühlte Ewigkeit, bis sie am Unglücksort eintrafen. Daher gründete sich im Juli 1889 die erste freiwillige Sanitätskolonie in Dachau. Anders als bei THW und Freiwilliger Feuerwehr arbeiten im BRK Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam, die einstige Sanitätskolonie ist heute ein moderner Wohlfahrtsverband: Das BRK unterhält die Dachauer Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige ausgibt, es  betreibt Kindergärten, ist in der Altenpflege aktiv, bietet Erste-Hilfe-Kurse etwa für Führerscheinbewerber – und es ist im Sanitätsdienst aktiv.

Für alle Fälle bestens gerüstet

„Am meisten zu tun hat unser Betreuungsdienst“, sagt Ebermann. Der wird immer dann alarmiert, wenn Unverletzte und andere Betroffene betreut werden müssen. Das können zum einen Menschen sein, die ihre Häuser für die Dauer eines Einsatzes verlassen müssen. Ein prominentes Beispiel, bei dem auch Dachauer Helfer im Einsatz waren: die Sprengung der Fliegerbombe in Schwabing im Jahr 2012. Nachdem alle Häuser im Umkreis evakuiert waren, kamen viele Menschen in Turnhallen oder anderen großen Räumen unter. Freiwillige des Roten Kreuzes verteilten Getränke und Essen, spielten mit den Kindern und sprachen mit den Erwachsenen – was bei all der Aufregung zur Beruhigung beiträgt.

Der Betreuungsdienst kümmert sich aber auch um andere Helfer – zum Beispiel stellt er die Versorgung von Feuerwehrleuten bei längeren Einsätzen sicher. „Dann brauchen die ja auch eine Stärkung“, sagt Ebermann. Zudem wird er häufig an die Autobahn A8 nach Stuttgart gerufen. Wenn da nach einem Unfall mal wieder gar nichts geht, verteilen die Ehrenamtlichen im Sommer kalte Getränke und im Winter heißen Tee und Decken. „Wir sind auf alles gut vorbereitet“, sagt Ebermann.

Was hilft den Helfern?

Damit die Ehrenamtlichen auch auf alle denkbaren Situationen reagieren können, nehmen sie regelmäßig an Schulungen und Weiterbildungen teil. Dazu kommt mit den Jahren die Erfahrung, die den Freiwilligen hilft, auch mit schwierigen Situationen klar zu kommen. „Mit das schlimmste ist, wenn man ein Kind reanimieren muss. Das vergisst man nie“, sagt Ebermann. Generell dürfe man die schlimmen Erlebnisse aber nicht zu nah an sich heranlassen und zu Hause abzuschalten: „Wir machen alles Mögliche, um unseren Patienten zu helfen. Aber es funktioniert nicht immer.“ Vor allem nach schlimmen Einsätzen helfe das gute Miteinander, das sowohl die Ehrenamtlichen untereinander als auch mit dem Hauptamtlichen pflegten.

Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr oder Bayerisches Rotes Kreuz – sie alle tun einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft.

Sie decken Bereiche ab, die rein mit Hauptamtlichen nicht zu leisten wären. Es wäre nicht finanzierbar, so viele Menschen für den Katastrophenfall vorzuhalten, der ja glücklicherweise nur ganz selten eintrete, sagt etwa Ebermann.  „Das THW lebt von den Ehrenamtlichen“, erklärt Sven Langer. Ohne die freiwilligen Helfer ließe sich der Standard, der momentan in ganz Deutschland gelte, nicht halten. „Stell dir mal vor, es brennt und keiner kommt!“ – mit diesem Slogan werben die Freiwilligen Feuerwehren.

Was das ehrenamtliche Engagement erschwert, sind nicht nur hohe bürokratische Hürden oder finanzielle Herausforderungen. Wer ein neues Fahrzeug will, muss bei der jeweiligen Kommune Geld eintreiben gehen oder Spenden sammeln – eine  zusätzliche Belastung. Auch kämpfen die Freiwilligen mit Übergriffen von den Menschen, denen sie eigentlich helfen wollten.

Brenzlige Situationen

Ein besonders krasser Fall ereignete sich im vergangenen Juni in Ottobrunn, wo ein angetrunkener 20-Jähriger eine volle Whiskeyflasche gegen die Scheibe eines Rettungswagens warf. Diese durchschlug die Scheibe und traf die Notärztin, die auf dem Beifahrersitz saß, im Gesicht. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Kieferbruch, mehrere ausgeschlagene Zähne und Schnittverletzungen im Gesicht. Der Sanitäter, die die Frau begleitet hatte, verletzte sich mit den Glassplittern am Auge.

„In Dachau ist es zum Glück nicht so schlimm“, sagt BRK-Helfer Ebermann. Vom Münchner Oktoberfest aber kenne er brenzlige Situationen. Bis zum Jahr 2017 betrieb das Rote Kreuz dort 24 Jahre lang die Sanitätswache, in diesem Jahr setzte sich ein privater Betreiber durch. 30 bis 40 Ehrenamtliche aus Dachau haben auch immer mitgeholfen. „Wir haben drei Typen von Betrunkenen: Die einen werden lustig, die anderen schlafen ein und die dritten werden aggressiv“, erklärt Ebermann. Wenn Helfer es mit einem Vertreter der letzteren Gruppe zu tun bekomme, könne es durchaus anstrengend werden:  „Manche sind einfach nicht erfreut, wenn wir ihnen helfen wollen.“ Ebermann spricht ruhig, wenn er davon erzählt. Nein, eine Spezialausbildung erhalten die Sanitäter nicht. Doch je mehr Erfahrung ein Helfer sammle, desto souveräner würden sie auch. Und Anfänger würden niemals alleine losgeschickt.

Neben der Arbeit? Muss auch das Vergnügen Platz finden!

Doch Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Bayerisches Rotes Kreuz sind nicht nur bei Notfällen unverzichtbar. Sie gestalten auch einen Teil des gesellschaftlichen Lebens mit. Legendär geworden ist längst der Maskenball der Freiwilligen Feuerwehr Dachau im Fasching, das THW organisiert ein großes Schafkopfturnier. Feuerwehren veranstalten Feste, sie grillen Steckerlfisch oder richten Faschingsfeiern für Kinder aus.

Solche Aktionen sollen den Ehrenamtlichen, die ihren Dienst unentgeltlich tun, Spaß machen. Gleichzeitig aber machen die Organisationen auch Werbung für den dringend benötigten Nachwuchs und sammeln nebenbei Geld, etwa um ein neues Fahrzeug zu kaufen. Doch auch wenn Geld und Nachwuchs endlich sind, THW, Freiwillige Feuerwehr und BRK pflegen ein freundliches Miteinander, keine Konkurrenz. Und sie sehen sich nicht nur bei Unfällen oder Überschwemmungen. Zum Dachauer Volksfest tragen sie gemeinsam ein Fußballturnier aus – auf die gute Kameradschaft eben.

Autorin: Melanie Staudinger

[Ein Artikel aus unserem Hauspost-Archiv. Der Artikel erschien erstmals 2018 in Hauspost Nr. 5]

 

 

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